Bio-News

Grüner Bericht 2026: Biobetriebe verdienen 27 % mehr – die Dürre trübt 2026

Dr. Wolfgang Ebner, MBA 4 Min. Lesezeit
Karin Metz vom Bio-Kürbishof Metz im Mostviertel mit Kisten voller Speisekürbisse vor dem Hofladen

Gute Nachrichten mit Ablaufdatum: Österreichs Biobetriebe haben 2025 deutlich mehr verdient als im Jahr davor. Der Grüne Bericht 2026 zeigt aber auch, dass viele Höfe immer noch unter dem Durchschnitt liegen – und dass die Dürre 2026 einen Teil des Plus wieder auffrisst.

Kurz gesagt: Österreichs Biobetriebe haben 2025 laut Grünem Bericht 2026 im Schnitt 42.728 Euro verdient – 27 % mehr als im Vorjahr und deutlich mehr als der Durchschnitt aller Höfe (+18 %). Trotzdem liegen sie noch 9 % unter dem Schnitt. Für 2026 erwartet das Ministerium wegen der Dürre wieder sinkende Einkommen; bei Ölkürbissen fehlen in Teilen Niederösterreichs bis zu 70 % der Ernte.

Was der Grüne Bericht 2026 zeigt

Der Grüne Bericht ist so etwas wie das Jahreszeugnis der österreichischen Landwirtschaft. Das Landwirtschaftsministerium wertet dafür die Buchhaltung von 1.919 Betrieben aus, die freiwillig mitmachen. Die Ausgabe 2026 wurde Mitte September vorgestellt und beschreibt das Jahr 2025.

Das Ergebnis: Im Durchschnitt aller Betriebe stiegen die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft um 18 % auf 47.102 Euro je Betrieb. Gründe waren laut Ministerium vor allem bessere Preise für Milch und Rinder, höhere Ernten bei Getreide und Ölfrüchten, mehr Holzeinschlag und höhere Zahlungen aus dem Agrarumweltprogramm ÖPUL. Schweinebetriebe dagegen verloren deutlich. Inflationsbereinigt liegen die bäuerlichen Einkommen ungefähr auf dem Niveau von 2010.

Biobetriebe: plus 27 Prozent

Für Biobetriebe war 2025 ein gutes Jahr. Ihre Einkünfte stiegen um 27 % auf 42.728 Euro je Betrieb. Getragen wurde das vor allem von höheren Erträgen: Ackerbau, Tierhaltung und Wald brachten jeweils rund 16 % mehr ein. Die Kosten stiegen nur um 5 %, etwa für Futter (+12 %) und Reparaturen (+8 %).

Auffällig ist, woher das Plus kommt. Die öffentlichen Gelder für Biobetriebe stiegen nur um 4 %, ihr Anteil am Ertrag sank sogar von 20,8 auf 19,4 %. Der größere Teil des Zuwachses kam also vom Markt – aus dem, was Bio-Höfe verkauft haben. Das passt zu den Zahlen aus dem Handel: 2025 gaben die Menschen in Österreich im Lebensmittelhandel 6,5 % mehr für Bio-Lebensmittel aus, der Bio-Anteil an den Ausgaben erreichte mit knapp 12 % einen Höchstwert.

Wie unterschiedlich es den Höfen geht, zeigt der Vergleich nach Betriebsart:

  • Ackerbau: Bio-Marktfruchtbetriebe kamen auf 58.054 Euro (+31 %), konventionelle auf 31.389 Euro (−17 %).
  • Weinbau: Bio 49.506 Euro (+37 %), konventionell 44.581 Euro (+10 %).
  • Milchvieh: Hier lagen die konventionellen Betriebe mit 79.294 Euro (+47 %) klar vor den Bio-Betrieben mit 61.377 Euro (+21 %).

Und noch eine Einordnung: Einkünfte sind kein Gehalt. Von diesem Betrag zahlen Bauernfamilien noch Sozialversicherung und Steuern, und meist arbeiten mehrere Familienmitglieder am Hof mit. Kleine Biobetriebe kamen 2025 auf durchschnittlich 13.483 Euro, große auf 105.395 Euro.

Bio in Österreich: stabil auf hohem Niveau

2025 gab es in Österreich 23.809 Biobetriebe (+0,7 %). Das ist mehr als jeder fünfte geförderte Betrieb (22,7 %). Sie bewirtschaften rund 695.000 Hektar, das sind 27,2 % der landwirtschaftlichen Fläche. Das EU-Ziel von 25 % Bio-Fläche bis 2030 hat Österreich damit schon erreicht. In Niederösterreich, wo auch unsere Partnerhöfe liegen, sind es 6.034 Biobetriebe auf knapp 233.000 Hektar.

2026: Die Dürre frisst das Plus wieder auf

Die guten Zahlen haben ein Ablaufdatum. Der Grüne Bericht selbst warnt: Für 2026 ist wegen der anhaltenden Trockenheit und hoher Betriebsmittelkosten mit einer „spürbar rückläufigen Einkommensentwicklung“ zu rechnen. Im Grünland fehlt laut Ministerium im Schnitt rund ein Drittel des Ertrags, viele Betriebe müssen Futter zukaufen.

Die Österreichische Hagelversicherung schätzte den Dürreschaden im August auf rund 1 Milliarde Euro, davon nur etwa 400 Millionen versichert. Sie rechnete mit Ausfällen von rund 45 % im Grünland, 25 % bei Mais und 14 % bei Getreide. Die Bundesregierung hat ein Hilfspaket von 240 Millionen Euro beschlossen, unter anderem mit einer Entlastung bei der Sozialversicherung und Zinszuschüssen für Betriebsmittelkredite. Es gilt für alle Betriebsformen, also auch für Bio-Höfe.

Besonders hart traf es den Ölkürbis. In Niederösterreich rechnete die Erntegemeinschaft im September mit 50 bis 70 % weniger Kernen als im Vorjahr, am stärksten im Weinviertel und im Norden. Das ist für ganz Österreich wichtig: Rund zwei Drittel der Kerne für das Steirische Kürbiskernöl g.g.A. stammen aus Niederösterreich. Das Alpenvorland kam laut Landwirtschaftskammer etwas glimpflicher davon, rechnet aber ebenfalls mit weniger Ertrag. Die gute Nachricht: Die Qualität der Kerne gilt als hoch.

Was das für kleine Höfe heißt

Unsere Partnerhöfe liegen im Mostviertel, also im Alpenvorland: der Bio-Kürbishof Metz in Haag, die Familien Dietl und Lehof in Strengberg. Es sind kleine Familienbetriebe, die ihre Ernte selbst verarbeiten – zu Kernöl, Saft oder Apfelmus – und direkt verkaufen. Gerade in einem schwierigen Jahr wie 2026 zählt für solche Höfe jeder Einkauf, bei dem das Geld ohne Umweg ankommt.

Weiterlesen

Quellen

Häufige Fragen

Der Grüne Bericht ist der jährliche Bericht des Landwirtschaftsministeriums über die Lage der österreichischen Land- und Forstwirtschaft. Er beruht unter anderem auf den Buchhaltungsdaten von rund 1.900 freiwillig mitmachenden Betrieben. Der Grüne Bericht 2026 beschreibt das Jahr 2025.

Teilen